Mainzer Geschichte erinnern

Quartiersplatz nach Karoline Stern benennen

Der Ortsbeirat Neustadt hat in seiner  Sitzung vom 17. März beschlossen, der Verwaltung vorzuschlagen, den neuen Quartiersplatz nach der Mainzer Sängerin Karoline Stern zu benennen. Die GRÜNEN-Fraktion, auf deren Initiative der Antrag zurückgeht, ist erfreut darüber, dass sich für diesen Beschluss eine so große Mehrheit im Ortsbeirat gefunden hat.

Noch immer sind in Mainz überproportional viele Straßen nach männlichen Persönlichkeiten benannt. Die Benennung nach Karoline Stern führt das von Kreyßig geplante und im Umkreis teilweise verwirklichte Benennungsschema (Komponisten/Musiker des 18./19. Jahrhunderts) fort, rückt aber mit Karoline Stern eine bedeutende Sängerin und Mainzerin ins Blickfeld

Clara Wörsdörfer, Mitglied der GRÜNEN Fraktion im Ortsbeirat

Bei Karoline Stern komme noch hinzu, dass sie auch eine Figur des jüdischen Lebens in Mainz gewesen ist, deren Wirken im Festjahr des jüdischen Lebens in Deutschland sichtbar gemacht werden soll. Mit der Sängerin Karoline Stern ließen sich, so Wörsdörfer, Themen verknüpfen und Geschichten erzählen, die sich auch über deren individuellen Lebensweg hinaus mit unserer Gegenwart verbinden lassen.

Karoline Stern wurde am 16.4.1800 in Mainz geboren und starb 1885 in Berlin. Sie entstammte einer jüdischen Familie und wurde in Mainz musikalisch ausgebildet. Als Sopranistin debütierte sie 1816 in Trier. Der Dichter Heinrich Heine, in dessen Düsseldorfer Familie sie verkehrte, ehrte ihr Talent in begeisterten Versen: „Ich denke noch der Zaubervollen, wie sie zuerst mein Auge sah! Wie ihre Töne lieblich klangen und heimlich süß ins Herzen drangen, entrollten Tränen meinen Wangen – ich wusste nicht, wie mir geschah.“ An verschiedenen Häusern feierte sie als Sängerin bis 1841 große Erfolge in bedeutenden Bühnenrollen (etwa als Rosina im „Barbier von Sevilla“ oder als Donna Elvira im „Don Giovanni“). Nach dem Rückzug von der Bühne entfaltete sie eine nicht weniger erfolgreiche Karriere als Konzertsolistin und wirkte zuletzt in Berlin als angesehene Musikpädagogin. Der Rabbiner und Historiker Meyer Kayserling bezeichnete in seinem 1879 erschienen Buch „Die jüdischen Frauen in der Geschichte, Literatur und Kunst“ Karoline Stern als die erste Jüdin, die als Sängerin die Bühne betrat und zu ihrer Zeit gefeiert wurde. Er schrieb: „Karoline Stern […] rechtfertigte mit ihrer seltenen Coloratur und ihrem hinreißen Vortrag, unterstützt von einer imposanten Gestalt, wie als Opern- so auch als Concertsängern ihren Künstlerruhm.“

Die GRÜNE Fraktion im Ortsbeirat sieht in der Benennung auch einen wichtigen Schritt in einem Kulturwandel bei der Benennung von Straßen:

Wir werden uns auch in Zukunft nicht nur dafür einsetzen, durch die Benennung von Straßen an in Vergessenheit geratene Persönlichkeiten zu erinnern, sondern auch dafür, aus der NS-Zeit belastete Straßennamen auszutauschen. Eine Straßenbenennung ist eine Ehre und sollte auch nur ehrwürdigen Persönlichkeiten vorbehalten sein.

Clara Wörsdörfer

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